Mit Einzelnachhilfe klar im Vorteil – hier können wir der „Haag-Studie“ leider nicht ganz folgen!

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Lerntherapeutin

Schon vor 10 Jahren hat der Bildungsforscher und damalige Lehrstuhlinhaber für Schulpädagogik an der Universität Bayreuth, Prof. Ludwig Haag, eine Effektivitätsstudie von Gruppennachhilfe im Vergleich zu reiner Einzelnachhilfe durchgeführt und zwar an insgesamt 220 Schülern über einen Zeitraum von längstens 10 Monaten und kommt kurzum zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Verbesserung der Noten ist in beiden Gruppen signifikant.
  • Die Kooperationsfähigkeit der Schüler in Kleingruppen nimmt stärker zu.
  • Mögliche Prüfungsängste in der Gruppennachhilfe werden abgebaut.

Haag, fungiert u. a. als externer Berater der Schülerhilfe in deren wissenschaftlichem Beirat und wurde vom Nachhilfeanbieter beauftragt und bezahlt, den o. g. Forschungsbericht durchzuführen. Summarisch kommt er zu dem Ergebnis, dass sich die soziale Kompetenzentwicklung des Schülers zugunsten der Gruppennachhilfe entwickelt sowie das miteinander und voneinander Lernen und der gemeinsame Austausch als eine gegenseitige Unterstützung und als Gewinn für den Schüler wahrgenommen wird.

​Die von Haag so bezeichnete „Frontalbeschulung“ in der klassischen Einzelnachhilfe sieht er als ein „massives Eingreifen“ in das Lernverhalten der Schüler. Und weiter: „Die Kinder lernen wohl, was und wie sie zu wiederholen haben, doch das geht auf Kosten einer selbständigen Verarbeitung, Kontrollstrategien werden nicht genügend aufgebaut. Die Lernmotivation leidet.“

Hierzu möchten wir wie folgt kritisch Stellung nehmen und zwar mit Blick auf den theoretischen Versichsaufbau wie auch die einzelnen Ergebnisse.

Forschungsdesign fraglich?

Haag hat mit Hilfe eines Fragebogens, den jeder Schüler wahrheitsgemäß beantworten musste, seine Ergebnisse generiert. Leider ist weder der eigentliche Fragebogen einsehbar, noch die Summe der beantworteten. Mit welcher Art von Fragen wurde operiert, offenen oder geschlossenen? Wie wurden Suggestivfragen vermieden und wie wurde sichergestellt, dass die Schüler die Fragen richtig verstanden und wahrheitsgemäß beantwortet haben? Warum wurde der zentrale Punkt, nämlich die Notenverbesserung, nicht durch eine Kopie der entsprechenden benoteten Klassenarbeit fundiert und man überlässt deren Überprüfung des Wahrheitsgehaltes bloßen Behauptungen?

Wenn man beispielsweise Schüler fragt, ob sie eine Klausur einfach oder schwer empfunden haben, wie oft gibt es bei dieser Frage ganz unterschiedliche Antworten, die dann nicht darauf schließen lassen, wie schwer die Arbeit nach objektiven Kriterien war. Oder wie oft behauptet ein Schüler, dass er einen Test als sehr einfach empfunden hat, obwohl er am Ende des Tages fast kein einziges richtiges Ergebnis gerechnet hat. Wer kann ausschließen, dass die Schüler, die an der Studie teilgenommen haben, nicht deshalb motivierter geworden sind, weil sie von externe Faktoren positiv beeinflusst wurden oder aber sich aber auch intrinsisch motivieren konnten, da sie stolz waren, an der Studie teilnehmen zu dürfen uns allein deshalb auch zuhause deutlich mehr gelernt haben? Wie wir sehen, sind zunächst Antworten auf diese allgemeinen Kritikpunkte von Nöten, um die Ergebnisse auch bewerten zu können, denn möglicherweise sind sie falsch und der Erkenntniswert ein ganz anderer.

Warum nur Schüler eines einzigen Anbieters?

Man mag darüber streiten, ob eine Stichprobe von insgesamt 220 Schülern als aussagekräftig anzusehen ist, denn schließlich gibt es in Deutschland über 10 Millionen Schüler, von denen circa 25 bis 35% – je nach Forschungsbericht und Jahr der Untersuchung – Nachhilfe innerhalb ihres Schullebens in Anspruch nehmen, also über 2,5 Millionen Schüler – ob da die untersuchten 220 in ihren Ergebnissen aussagekräftig sind, erscheint uns zumindest zweifelhaft. Glaubt man dem jahrzehntelangen Internetauftritt der Schülerhilfe, so sind sie ein professioneller Anbieter von Gruppennachhilfe und bieten nur in Ausnahmefällen reinen Einzelnachhilfeunterricht an.

Ausgewiesene Experten für klassische Einzelnachhilfe, die ja Gegenstand des von der Schülerhilfe in Auftrag gegebenen und finanzierten Haag-Forschungsberichtes war, wären jedoch Anbieter wie Abacus, Lernwerk oder die Überflieger, um hier nur einige institutionalisierte Anbieter zu nennen. Warum wurden diese Anbieter nicht für die 70 untersuchten Einzelnachhilfeschüler in die Studie mit einbezogen? Und was wir uns frage, warum ist überhaupt bei Haag nicht eine gleiche Anzahl an Schülern untersucht worden, denn vergleicht man z. B. ein Kriterium wie die Notenentwicklung, so sollte unserer Meinung nach die verglichene Grundgesamtheit selbstverständlich auch gleich groß sein, um mögliche Verzerrungen der Ergebnisse zu vermeiden! Anders ausgedrückt: wenn bei 70 befragten Einzelnachhilfeschülern am Ende des Untersuchungszeitraums die Note um 0,5 Einheiten sich verbessert, so ist zu erwarten, dass bei 110 Schülern mit Einzelnachhilfe sich dieser Trend noch weiter verstärkt, aber genau das wäre definitiv nicht im Interesse des Auftragsgebers der Studie.

Weiche Faktoren bei Nachhilfe nicht gefragt, sondern die Notenverbesserung!

Laut statistica.de und basierend auf einer Umfrage von Professor Eiko Jürgens von der Uni Bielefeld ist die Notenverbesserung mit 94% das Hauptmotiv aller Eltern und Schüler für die Inanspruchnahme von Einzelunterricht oder Gruppennachhilfe, gefolgt von 67%, die die Vorbereitung auf Klassenarbeiten und 60% mit dem Schließen von Wissenslücken als herausragende Beweggründe nennen. Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2021, die die österreichische Arbeiterkammer mit über 1500 Teilnehmern durchgeführt hat, sind nach wie vor die Notenverbesserung das Oberziel aller Eltern, heutzutage aber auch der Wunsch, dass Nachhilfe zu einer guten Note führen solle, um z. B. die Möglichkeit zum Besuch eines bestimmten Schultyps oder der Universität zu erhalten und nicht nur, um lediglich eine schlechte Note zu verbessern.

Daraus folgt für uns, dass sich die gewählte Form der Nachhilfe eindeutigan dem Hauptargument ausrichten sollte, warum nämlich Nachhilfe überhaupt in Anspruch genommen werden soll. Haags Erkenntnisse, dass sich die Note im reinen Einzelunterricht stärker verbessert, als die Gruppenformate, und zwar um eine halbe Note im gewählten Zeitraum und die des Gruppenunterrichts nur um eine Viertelnote muss vor dem Hintergrund seines konkreten Untersuchungsdesigns zu einer noch deutlicheren Verschiebung hin zur Einzelnachhilfe führen, wie oben bereits beschrieben. Dass die Kooperationsfähigkeit von Menschen generell im Team als im Einzelsetting stärker ausgeprägt sein mag, liegt auf der Hand, da ja mehrere „Spieler“ zur Verfügung stehen, mit denen der Schüler dies tatsächlich tun kann. Umgekehrt gibt es psychologische Studien, die eine gute Kooperationsfähigkeit nur deshalb unterstellen, da der sog. „Gruppendruck“ viel höher ist, als in der 1 zu 1-Situation.

In Gruppen ist der Mensch gezwungen, sich anzupassen, will er nicht als Einzelner von den anderen Gruppenmitgliedern sanktioniert werden. Ebenfalls stellt Haag diesen Zugewinn an sozialer Kompetenz als etwas Besonderes heraus, das nur im Gruppensetting realisierbar scheint – hier müssen wir jedoch ganz klar feststellen, dass dieser Punkt im Rahmen der Ziele, warum Eltern sich für Nachhilfe entscheiden, eine völlig untergeordnete Rolle spielt, den diese Kompetenzen kann der Schüler genauso gut im Sport- oder Musikverein, der Jungschar oder am Spielplatz und in der Schule realisieren, dafür benötigt er nicht den Besuch einer Nachhilfegruppe. Weiter stellt Haag fest, dass in der Gruppe mögliche Prüfungsängste besser abgebaut werden. Dies ist aus unsere Sicht nur deshalb erklärbar, weil der Schüler z. B. vor der Gruppe an der Tafel etwas vortragen kann und damit die Schulsituation in etwa simulieren kann. Dass dies jedoch natürlich auch in der Einzelnachhilfe durch den gezielten und flankierenden Einsatz von verhaltenstherapeutischen Maßnahmen möglich ist (man denke an die Heerschar an Psychotherapeuten, die das Thema Angst-Abbau in ihren täglichen Einzeltherapiestunden mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen einzeln durchführen und eben nicht in Gruppen) zeigt, dass die in dem Forschungszeitraum von der Schülerhilfe ausgewählten  Einzel-Nachhilfelehrer auf diesem Gebiet sicherlich über keine Expertise auf diesem Gebiet verfügt haben müssen. Gerade der Einzelunterricht mit seinen für den Einzelschüler herausragenden zeitlichen Kapazitäten würde diesem Punkt viel besser Rechnung tragen können, als in der Gruppe, in der der jeder Schüler sowieso nur 10 oder 15 Minuten reine Nachhilfezeit innerhalb der 90 Minuten mit 4 anderen Schülern erhält. Wiederum verklärt Haag von unserem Standpunkt her ein Kriterium, das sicherlich von realer Bedeutung ist, man jedoch auch im Einzelsetting sehr gut therapieren kann und darüber hinaus gibt es viele Kinder, gerade jüngere, die vor anderen Kindern im Gruppenunterricht niemals zugeben würden, dass sie Angst vor Prüfungen, Fächern, Lehrern oder gar der Schule hätten, die gehemmt und verschlossen auftreten, wenn andere dabei sind. Hier kann eine vertrauensvolle Einzelsituation viel effektiver Wirken, als „die harte Gruppe“.

Massives Eingreifen des Lehrers?

Ein letzter Punkt, den wir gerne aufgreifen möchten ist Haags persönliche Meinung, dass in der Einzelnachhilfe und durch die Frontalbeschulung der Lehrer sehr massiv in das Lernverhalten des Schülers eingreift. Es scheint, dass Herrn Haag hier die nötige Felderfahrung fehlt, sonst hätte er den Punkt sicherlich anders formuliert. In beiden Konzepte, dem Einzel und der Gruppe, beschäftigt sich ein Nachhilfelehrer mit einem oder eben 4 bis 5 Schülern. Anders als in der Schule oder im Sprachkurs bei der VHS erhält jeder Schüler in der 5er-Gruppe individuelle Aufgabenblätter zur Bearbeitung. Der Einsatz von zusätzlichen Medien, z. B. einem Erklär-Video, das der Schüler sich kurz im Gruppensetting anschaut entfällt, da dies viel zu laut wäre und die anderen Schüler zu stark ablenken würde und bei deren Arbeit schlichtweg stört. Ist ein Schüler an der Arbeit und wurde vom Lehrer quasi mit Aufgaben versorgt, so wendet sich der Lehrer dem nächsten Schüler zu, gibt diesem eine Aufgabe und so weiter und so fort. Zu dumm für den ersten Schüler, wenn er direkt bei Aufgabe 1 eine Verständnisfrage hat oder nicht weiter klarkommt, denn dann muss dieser zunächst einmal warten und warten und warten, denn schließlich muss der Lehrer ja gerecht und fair jedem Schüler in der Gruppe ungefähr die gleichen „Nachhilfeanteile“ zugestehen. Im Einzelunterricht erhält eben nur ein Schüler eine Aufgabe und sofern dieser damit direkt ein Problem hat, steht der Lehrer dem Schüler zu 100% zur Verfügung.

Was um Himmels Willen meint Haag, der 2020 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden ist, mit massiv und frontal? Frontalunterricht gibt es in der Schule und an der Universität, in beiden Nachhilfeformaten sucht der Nachhilfelehrer die Nähe zu seinen Schülern, redet mit ihnen, schaut ihnen über die Schulter oder setzt sich neben sie usw. Ein wirklich gut ausgebildeter Nachhilfelehrer, der es versteht, immer wieder ein gewisses Repertoire aus seinem psychologischem Werkzeugkasten einzusetzen, wird von dem Schüler niemals als zu „massiv“ empfunden werden, denn er versteht es, durch kleinschrittiges Vorgehen, durch die Arbeit an der Zone der nächsten Entwicklung oder durch bloßes „den Schüler zum eigenständigen Nachdenken“ anzuregen einen selbstständigen Lernprozess beim Schüler in Gang zu setzen, bei dem auch viel Zeit für den Aufbau kritischer Selbstreflexion bis hin zu selbstwirksamen Kontrollmechanismen entscheidend anzubahnen. Effekte, die im Gruppenunterricht eher zufällig und als Derivat aus diesem entstehen, können in einem psychologisch und motivational orientierten Einzelunterricht aktiv mitgestaltet werden.

Abschließend haben wir eine objektive Übersicht der Vorteile des individuellen Einzelunterrichts für Sie zusammengestellt:

Qualität
Qualität der Einzelnachhilfe

Mit Einzelnachhilfe immer auf der sicheren Seite!

  • Durch den Einzelunterricht erzielt der Schüler bessere Noten im Vergleich zum Gruppenunterricht
    (Belegt durch die Haag-Studie)
  • Es ist ein effizientes und fokussiertes Lernen möglich
    (Belegt durch die Haag-Studie)
  • Der Nachhilfelehrer kann besser auf die Lernende eingehen
    (Belegt durch die Haag-Studie)
  • Keine Ablenkung durch laut redende oder störende Gruppenmitglieder
  • Die volle Aufmerksamkeit des Nachhilfelehrers ist zu 100% garantiert
  • Kein langes Warten, bis man wieder an der Reihe ist, da man im Einzelsetting die Lehrkraft nur für einen Schüler agiert
  • Der Lehrer passt alle Themen und Inhalte individuell an seinen Schüler an, teilweise auch flexibel im Verlauf des Unterrichts
  • Starke Wissensdefizite werden intensiv bearbeitet und viel schneller behoben 
  • Das individuelle Lerntempo des Schülers kann zu 100 % berücksichtigt und   adaptiert werden
  • Sehr persönliche und individuelle Problemlösung möglich
  • Die Lehrkraft kann sehr stark auf die persönliche Situation des Schülers eingehen
  • Kinder mit AD(H)S gehen in Gruppennachhilfe unter
  • Kein „aufgabenzettellastiger“ Unterricht
  • Sehr viele Sprechminuten und viel Fragezeit möglich, was in der Kleingruppe stören würde
  • Flexiblere Unterrichtszeiten und -häufigkeit möglich
  • Kein Scham- oder Scheuegefühl vor anderen Teilnehmern
  • Stärkung des Selbstbewusstseins, da mögliche Hemmungen besser abbaut werden
  • Schnellere Erfolge, Lernerfolg und Aha-Erlebnis bereits ab der ersten Nachhilfestunde

Und das Beste kommt zum Schluss: Einzelnachhilfe verursacht weniger Kosten!
Wie oben beschrieben, wird durch eine effektive Unterrichtsgestaltung und die vollen 45 Minuten für nur einen Schüler in Summe deutlich weniger Termine nötig, als wenn die Nachhilfestunden in Gruppen stattfinden würden. Aber auch der scheinbar günstigere Preis für Gruppennachhilfe ist in Wirklichkeit und am Ende des Tages sehr oft doch deutlich teurer –  warum ist dem so? Im Gruppenunterricht befinden sich circa 5 Schüler, auch wenn einschlägige Nachhilfeschulen oft von Kleingruppen von 3 bis 5 Schülern erzählen, will man doch in Wirklichkeit versuchen, die Räume so gut wie möglich auszulasten und das sind nun mal 5 oder manchmal sogar 6 Schüler. Bei 5 Schülern und einer Nachhilfezeit von 90 Minuten hat jeder Schüler im Schnitt ganze 18 Minuten reine Nachhilfezeit für sich. In der Einzelnachhilfe mit einem Lehrer und einem Schüler ist es eine ganze Schulstunde von 45 Minuten! Rein finanziell betrachtet zahlt der Kunde also für nur 18 Minuten Nachhilfe einen monatlichen Preis von circa 110 € bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Oder anders ausgedrückt: Die Minute Nachhilfe kostet 1,52 €, da der Schüler im Monat im Schnitt nur 72 Minuten effektiven Nachhilfeunterricht hat (18 Min. x 4 Wochen = 72 Minuten effektive Lernzeit in der Gruppe!  Die Einzelnachhilfe kostet circa 120 € oder 130 € pro Monat und Anbieter, ist aber dennoch viel günstiger, weil die Eltern für die 72 Minuten Gruppennachhilfe im Monat 110 € zahlen, dafür im Einzelnachhilfesegment aber 4 x 45 Minuten = 180 Minuten reine Lernzeit erhalten. Leider blenden Eltern diesem sehr wichtigen finanziellen Punkt immer wieder aus und lassen sich nur vom absoluten Monatspreis blenden – was ihre Kinder jedoch dafür an Nachhilfezeit erhalten, bleibt leider außen vor. Und das ist nicht nur schade, sondern auch nicht besonders klug. Mit Einzelnachhilfe ist man also schneller am Ziel.

Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.