Unterschied Nachhilfe – Integrative Lerntherapie

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Lerntherapeutin

Die Entscheidung für eine Förderung durch klassischen Nachhilfeunterricht oder (integrativer) Lerntherapie ist für Außenstehende oft sehr diffizil, da oftmals die Voraussetzungen, Grundlagen und Unterschiede beider Alternativen nicht bekannt sind. Lesen Sie hier, was genau Eltern beachten sollten, um ihr Kind  zielführend zu unterstützen, um eine falsche Weichenstellungen  zu vermeiden.

Ausgangspunkt beider Fördervarianten ist der Wunsch vieler Eltern, dass sich die Noten bzw. allgemein die Schulleistungen eines Schülers kurz bis mittelfristig verbessern sollen,  eine drohende Versetzung abgewendet  bzw. ganz einfach die „Lust auf Schule“ wiederhergestellt  werden soll.

Als Nachhilfe bzw. Nachhilfeunterricht definieren wir jede Form der regel- aber auch unregelmäßigen außerschulischen Unterstützung von Schülern im Rahmen geplanter und gezielter Wissensaneignung, -sicherung bzw. -erweiterung mit dem Ziel der Aufarbeitung fachlicher Lücken bzw. einer gezielten Prüfungsvorbereitung. Effiziente Nachhilfe liefert also im Allgemeinen eine nochmalige oder variantenreichere Erklärung  und reflektiert dabei auf den individuellen Lernstand des einzelnen Schülers und ist deshalb im Gegensatz zum Schulunterricht stets personenzentriert und gleichzeitig defizitorientiert.

Meist sind ein oder mehrere Unterrichtfächer involviert und die Nachhilfe in Deutsch oder Mathematik hat definitionsgemäß eine komplementäre Funktion zum normalen Schulunterricht. Allerdings muss man konstatieren, dass in den allermeisten Fällen betroffene Schüler in ihren schwachen, i. e. nachhilfebedürftigen  Fächern grundsätzlich über ausreichende Grundlagen verfügen und die Schwierigkeiten grundsätzlich nur punktueller Natur sind.

Schulstoffspezifische Verständnisprobleme, z. B. ausgelöst durch längere Fehlzeiten oder große Unaufmerksamkeiten des Schülers,  können eigenständig oft nicht schnell genug  nachgeholt bzw. beseitigt  werden und außerdem fehlt dem Schüler durch dessen Abstinenz auch oftmals der Erklärungshintergrund durch den Lehrer. Lücken im Schulstoff bzw. ein Verständnisdefizit können aber auch vorliegen, wenn die Erklärungswege des Lehrers für den Schüler nicht nachvollziehbar sind und nur durch einen variantenreichen, intensiven, außerschulischen Verständnistransfer sichergestellt werden kann. Auch Vakanzen im Lehrplan einiger Schulen, die in Ermangelung knapper zeitlicher Ressourcen bestimmte Themeninhalte nicht intensiv und ausführlich genug präsentieren, führen zu Lernschwierigkeiten. Und ein möglicher Schulwechsel – hier fokussieren wir besonders den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule sowie den von Klasse 10 zu einem Gymnasium – erfordert implizit auch einen höheren Wissensstand, der notfalls durch außerschulisches Lernen angeeignet werden muss.

Temporär bezieht sich Nachhilfe zumeist vor allem auf die Zeit bis zur nächsten Klassenarbeit oder auch längerfristig, beispielsweise für ein ganzes Schuljahr, und konzentriert sich thematisch auf den aktuellen Schulstoff, so dass man als globales Erkennungsmerkmal von Nachhilfe das (schnelle) Schließen von Lücken im Lernstoff  identifizieren kann, sei es durch Nacharbeiten von Versäumtem oder durch das Auffrischen von nicht richtig Automatisiertem.  Zusätzlich können auch „unterrichtsnahe“ Lerninhalte als Nachhilfegegenstand  wiederholt oder vertieft werden und dies erfolgt meistens schreibend am Tisch; die Arbeitsgrundlagen sind also i. d. R. das jeweilige Schulbuch, persönliche Aufzeichnungen aus dem Unterricht, die erteilten Hausaufgaben sowie vom Nachhilfelehrer ausgewählte Zusatzübungen, mit denen ein Sachverhalt noch einmal erklärt und nachvollzogen werden kann. Ebenfalls unter Nachhilfe subsumieren wir das Bearbeiten von Hausaufgaben trotz des fehlenden proaktiven Charakters.

Wichtig ist, dass jedoch die Grundvoraussetzung zum absichtsvollen Lernen bei den Kindern vollständig vorhanden sein muss und etwa nicht Lernstörungen bzw. Lernschwächen als tatsächliche Ursache der Minderleistungen vorliegen. So hat  der „normale“ Nachhilfeschüler die Grundlagen der Mathematik verstanden und dessen Defizite liegen eher in anspruchsvollen Bereichen wie Dreisatz, Bruchrechnung oder höherer Mathematik, anders als der Schüler mit (diagnostizierter) Dyskalkulie bzw. Rechenstörung. In solchen Fällen führt  i. d. R. vermehrtes und dauerhaftes Üben nicht zu einer Verbesserung der Leistungen und  betroffene Kinder sind nur sehr schwer zum zusätzlichen Üben zu motivieren und schalten dann in der Übungssituation innerlich  ab.

Integrative Lerntherapie

Bei Fehlen wesentlicher Lernvoraussetzungen oder  sogar dem Vorliegen einer Lernstörung (=schwache Lern- bzw. Schulleistungen, die signifikant unter der altersgemäßen (Klassen- / Bezugsgruppen-) Norm und dem individuellen Intelligenzniveau liegen (IQ-Werte über 70 mit IQ-Diskrepanz) [doppelte Diskrepanzkriterium]  bzw. Lernschwäche (=schwache Lern- bzw. Schulleistungen, die signifikant unter der alters- und klassentypischen Norm liegen,  jedoch durchschnittliche IQ-Werte über 70 [einfache Diskrepanzkriterium] ), ist der klassische Nachhilfeunterricht nicht zielführend und als Instrument grundsätzlich ungeeignet – nach unserer langjährigen Beobachtung erhalten jedoch viele Schüler und oft über einen längeren Zeitraum erst einmal Nachhilfe, dies  jedoch verständlicherweise ohne sichtbare Erfolge oder spürbare positive Auswirkungen. Dies geschieht ganz oft aus Unwissenheit der Eltern oder vollmundiger Versprechungen von Nachhilfeanbietern, die hier nicht mit offenen Karten spielen können oder wollen.   

Inhaltlich gehen somit die Lernprobleme weit über bloße temporäre Schulstofflücken hinaus und die betroffenen Schüler zeigen meistens  fächerübergreifend gravierende Defizite und dies auch öfter über einen längeren Zeitraum.  Die viel zitierten Teilleistungsschwächen Lese- Rechtschreibschwäche (LRS oder Legasthenie) bzw. Rechenschwäche (Dyskalkulie) sind konkrete Ausprägungen dauerhafter Lernstörungen, jedoch im Gegensatz zu fächerübergreifenden Problemen inhaltlich klar abgegrenzt und symptomatisch eindeutig konkretisierbar. 

Für Lernstörungen sind darüber hinaus auch starkes fehlendes  Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten (negatives Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und Selbstkonzepte), Prüfungs- bzw. Schulsangst oder drastischer Motivationsverlust charakteristisch, die allesamt auftretende allgemeine oder partielle defizitäre Leistungen noch verstärken können. Zusätzlich fallen auch Schüler mit enormen  Aufmerksamkeitsstörungen (AD(H)S) oder einem gestörten Sozialverhalten in diese Kategorie der schulischer Minderleister.

Schulische Grundkompetenzen Lesen, Rechtschreiben, Rechnen

Im Kern jedoch zentriert sich das „Betätigungs- und Wirkungsfeld“ der integrativen Lerntherapie in praxi primär auf die sog. umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (UES), die synonym auch als Teilleistungsstörungen bzw. oftmals in schulischen Kreisen auch als Lern- und Leistungsstörungen in den Kern-Bereichen Rechtschreiben, Lesen und Rechnen  bezeichnet werden.

Lerntherapie richtet sich deshalb vornehmlich an Kinder und Jugendliche, denen hinreichende basale Fertigkeiten im Lesen, Schreiben oder Rechnen fehlen und die schon lange den Anschluss an den aktuellen Schulstoff verloren haben. Mit diesen Schülern müssen zunächst und oft sehr kleinschrittig die nicht verstandenen  Grundlagen aufgearbeitet werden – ein z. T. sehr aufwändiger und  auch langwieriger Prozess.

Hilfe bei Rechenschwäche
Rechenschwäche

Unverzichtbar für eine genaue Identifikation der Kernsymptomatik der Störung ist der Einsatz einer pädagogischen bzw. pädagogisch-psychologischen Eingangsdiagnostik anhand von standardisierten Testverfahren. Da die Lerntherapie unbedingt an den den Symptomen des Schülers ansetzten sollte, d. h. den individuellen Lern- und Entwicklungsstand mit einbeziehen muss, ist eine fundierte Eingangsdiagnostik unverzichtbar  – ansonsten würde man einfach und ohne Basis „ins Blaue hinein“ therapieren und so dem Kind niemals helfen.  Wissenschaftsbasierte Lerntherapie unterscheidet sich in diesem Punkt ganz eindeutig von einfacher Nachhilfe, aber auch von den Lerntherapeuten auf dem Fördermarkt, die eine gezielte Diagnostik strikt ablehnen und verweigern.

Generell versucht die Lerntherapie, individuelle und exakt auf den Schüler abgestimmte Lern- und Entwicklungsschritte anzubahnen, die eine allmähliche Bewältigung schulischer Anforderungen ermöglichen: Im Bereich des Schriftspracherwerbs (Lesen, Rechtschreibung) spricht man hier von Therapie bzw. Förderung von LRS bzw. (isolierter) Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie ist unserer Meinung nach eher veraltet) und von Förderung mathematischer Kompetenzen bei vorliegender Rechenschwäche (Dyskalkulie).  Auf der Grundlage ihres ganzheitlichen Ansatzes und dem Ziel, individuelle Lernwege zu ermöglichen, bedient sie sich einer multiinstrumentellen Methodik und setzt vielfältige Therapie-, Trainings-  und Anschauungsmaterialien, Lernspiele und  Trainingsprogramme ein und ist damit wesentlich variantenreicher aufgestellt, als Nachhilfe, auch mit Blick auf das Anvisieren und Abstellen auf die unterschiedlichen Sinneskanäle.

Was das Monetäre angelangt, so kostet Einzelnachhilfe (ein Schüler – ein Lehrer) i. d. R. zwischen 10,- und 30,- Euro pro Zeitstunde, wohingegen Lerntherapeuten üblicherweise Stundensätze von  40,- bis 90,- EUR  abbilden. Meistens verfügen Lerntherapeuten über ein pädagogisches oder psychologisches Hochschulstudium und haben eine mehrjährige, lerntherapeutische Zusatzausbildung absolviert. Besonders qualifizierte Therapeuten können sogar akademisch einen Master in Integrativer Lerntherapie (M. A. oder M. Sc.) vorweisen. Im Nachhilfe-Segment wiederum arbeiten auch volljährige Schüler oder oftmals Bachelor- bzw. Master-Studenten als freie Kräfte, jedoch ohne einschlägige Berufserfahrung.

Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.