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Ohne Leseverständnis kein echtes Mathematikverständnis

Ohne Leseverständnis kein echtes Mathematikverständnis

24. März 2026

Leseverständnis bedeutet, Sinnzusammenhänge in Wörtern und Texten zu begreifen. Eine gute Lesetechnik allein reicht nicht aus, um die Bedeutung eines Satzes zu verstehen. Der Zugang zum Wortsinn ergibt sich aus dem Hörverständnis des Kindes. Entscheidend ist der individuelle Wortschatz. Er bestimmt das Textverständnis.

Mangelndes Leseverständnis hat auch in Mathematik Folgen. Diesen Schülern fällt es schwer, den mathematischen Sachverhalt eines Textes korrekt zu erfassen. Sie entschlüsseln Wörter oder ganze Sätze nicht richtig. Dabei sind diese entscheidend, um die Aufgabe zu lösen.

Kinder mit Leseschwäche lesen oft langsam, stockend und unflüssig. Es fällt ihnen schwer, den Sinn jedes Wortes zu verstehen. Selbst wenn sie das Wort richtig rekodieren, bleibt das Dekodieren eine Herausforderung.

Bevor wir über Beispiele aus der Mathematik sprechen: Mangelndes Leseverständnis betrifft alle Unterrichtsfächer. Es geht also nicht nur um mathematische Fachbegriffe.

Was ist das Problem bei Sachaufgaben? In allen Bundesländern sieht der Lehrplan Textaufgaben ab der 2. Klasse vor. Zwar sind diese anfangs einfach, doch langsame Leser geraten sofort ins Hintertreffen. Sie brauchen zu viel Zeit zum Lesen. Während sie noch lesen, haben Mitschüler den Text oft schon in die „Sprache der Mathematik“ übersetzt und die Aufgabe gelöst.

Reicht die Lesegeschwindigkeit aus, aber das Verständnis fehlt? Dann kann der Schüler keine Textaufgaben lösen. Er weiß nicht, worum es in der Handlung geht. Ein Mindestmaß an Lesefertigkeit ist die Bedingung, um mit Sachtexten klarzukommen.

Mathematische Texte haben eine Besonderheit: den fachspezifischen Gebrauch von Wörtern. Selbst wenn der Schüler den Inhalt versteht, wartet eine Hürde. Viele Alltagswörter haben in der Mathematik eine andere Bedeutung. Laut Studien begegnen Schülern in der Grundschulzeit etwa 300 bis 400 mathematische Fachwörter.

Ein Beispiel verdeutlicht das: Im Alltag bedeutet „groß“, dass jemand oder etwas eine beachtliche Ausdehnung hat. In der 1. Klasse lernen Kinder das „Größerzeichen“. Zahlen sind in der Mathematik aber nicht „größer“, weil sie höher an der Tafel stehen. „Größer“ ist eine mengenmäßige Bewertung und bedeutet „mehr“ (etwa Steine, Autos oder Finger).

In der Dyskalkulietherapie nutzen wir deshalb Begriffe wie „mehr als“ statt „größer als“. Ebenso sagen wir „weniger als“ statt „kleiner als“. So veranschaulichen wir Kindern den Mengenwert von Zahlen.

Auch das Wort „Vorgänger“ bereitet Probleme. Mathematisch ist es die Zahl, die in der Reihe genau vor einer anderen steht. Sie ist also um 1 kleiner. Sagen Eltern beim Spaziergang: „Geh du mal vor!“, überträgt das Kind dies vielleicht auf die Mathematik. Es denkt dann, der Vorgänger käme nach der Zahl. In der Mathematik heißt das jedoch Nachfolger

Ein weiteres Problem ist der Satz: „Peter kauft 3 Kisten mit je 6 Äpfeln.“ Kennt der Schüler das Wort „je“ nicht, versteht er es nicht als „jeweils“. Er glaubt dann vielleicht, Peter kaufe insgesamt nur 6 Äpfel. In jeder Kiste lägen dann nur 2 Äpfel. Wegen dieser zwei Buchstaben (je) löst er die Aufgabe falsch.

Manchmal fehlt am Ende von Sachaufgaben eine konkrete Frage. Zudem enthalten Texte oft „Störgrößen“. Das sind Zahlen oder Aussagen, die für die Lösung unwichtig sind. Bei leseschwachen Kindern führt das zu weiterer Verwirrung.

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